Rezension

Buchbesprechung in der Zeitschrift für Transaktionsanalyse 2/2018

Dr. Johann Schneider: Schöpferisch denken und handeln. Pragmatische Modelle für eine professionelle Begleitung von Menschen. BOOKONDEMAND 2006

Dr. Johann Schneider stellt in diesem Buch seine gesammelten pragmatischen Modelle für die professionelle Begleitung von Menschen vor. Wer Lust darauf hat, eine Vielzahl theoretischer »Landkarten« mit dazugehörigen Praxisbeispielen aus verschiedenen Berufskontexten kennen zu lernen, wird fündig werden. Der Leser wird durch vierzehn thematisch geordnete Beiträge geführt, die der Autor in dem Zeitraum von 1978 bis 2016 verfasst hat, und lernt dabei bekannte als auch erweiterte (TA-) Theorien und Handlungsmodelle kennen. Als Beispiele nenne ich gern die »Handlungskaskade«, ein als Grundlagen des Handelns und der Gesprächsführung beschriebenes Modell, das »Zeitintegrationsmodell als Orientierungshilfe in der Persönlichkeitsentwicklung«, das »dynamische Handlungspentagon«, eine Weiterentwicklung der Antreibertheorie sowie »Von der Kunst erwachsen zu handeln«, eine Veränderung der klassischen Ichzustandstheorie. Der Autor spart dabei nicht mit anschaulichen Abbildungen, kurzen Zusammenfassungen, Grafiken und Zeichnungen, die in beinahe jedem der Artikel zu finden sind. Eine Literaturliste rundet jeden Beitrag am Ende ab: Wie gut, denn so kann sich der interessierte Leser bei kurzen Beiträgen, wie beispielsweise »Der Zugang zu den Zeitdimensionen mit verschiedenen Sinnesqualitäten und Bewusstseinsebenen« (S.134-139), mit weiterführender Literatur ausstatten, denn die zu diesem Beitrag gehörende Tabelle auf Seite 136 setzt voraus, dass man die Beschreibung der menschlichen Wahrnehmungsmuster nach D. Markowa kennt.

Ich war gespannt, denn der Titel und die Einladung haben in mir Erwartungen geweckt. Gleich zu Beginn werden wir vom Autor dazu eingeladen, unsere Kreativität »sprießen zu lassen« (S.5) und mit Modellen »kreativ, leicht und spielerisch« (Rückband) umzugehen. Diese Aufforderung findet der Leser fortlaufend im gesamten Buch wieder: „…spielerische Form…“ (S.273), „…neue Lösungsideen schöpfen.“ (S.169),  „… schöpferischer Akt …“ (S.162). Seine Anregung, die eigene Kreativität sprießen zu lassen, verstehe ich abschließend als motivierende Aufforderung, immer wieder auf die eigene Stimme zu hören und sich auf den schöpferischen Akt der Autonomieentwicklung einzulassen.

Unter den Beiträgen finden sich zahlreiche Praxisberichte, in denen der Autor sich und seine Arbeit in unterschiedlichen Rollen vorstellt: als Ausbilder, Coach, Therapeut und Berater. So bekommen wir beispielsweise Einblick in sein Wirken durch ein Impulsreferat, das er vor BeraterInnen im Kontext eines Schulsystems gehalten (S.290f), oder durch einen kurzen Abriss einer Traum- und Symbolarbeit, die er in einer seiner Weiterbildungsgruppen durchgeführt hat.

Die vierseitige Praxisanregung zur Krisenintervention, Beratung und Psychotherapie bei Suizidalität (S.68) sticht für mich, aufgrund ihrer Kürze und mit ihrer als Auflistung gewählten Schreibform, ein wenig aus den üblichen Beiträgen heraus. Verwirrend waren hier für mich die hinter den Aufzählungen in Klammern gesetzten Zahlen, die ich nicht auf Anhieb zu entschlüsseln wusste. Verdient hätte das Buch zudem ein sorgfältigeres Lektorat. Sich häufende Druckfehler (u.a. S.127, 235, 242, 291) waren für den Lesefluss teils hinderlich. Sie halten mich jedoch nicht davon ab, das Buch zu empfehlen aufgrund seiner anregenden Darstellungsweise, der tiefgreifenden Überlegungen des Autors und seiner Theoriebildung.

Die Ausführungen sind für alle TA-Praktiker interessant, die sich von Theoriebildung angezogen fühlen und die sich einen Einblick in die Anwendung für die Arbeit in Beratung, Bildung, Therapie und Führung wünschen.

Mein Fazit: Die Ansammlung der Werke des Autors betrachte ich als einen großen zusammengestellten Blumenstrauß mit verschiedenen Blumenarten, die in unterschiedlicher Pracht und Farbe stehen. Je nach Geschmack kann individuell ausgewählt werden: Gerbera oder Mohnblume. Ich fühle mich als Leser aufgerufen, meine für mich passenden Blumen auszusuchen und einen Strauß zusammenstellen. Ganz im Sinne des Buches, meine Kreativität sprießen zu lassen.

Andrea Landschof

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